4 Unterschiede zwischen Eltern in Polen und Deutschland

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Bevor ich Mutter geworden bin, habe ich mir keine großen Gedanken darüber gemacht was einen erwachsenen Polen oder Vertreter anderer Länder so macht, wie er ist. Obwohl ich keine Verfechterin von Verallgemeinerungen bin, lässt es sich nicht abstreiten, dass es Unterschiede bei Mentalität, Charaktereigenschaften und der Art zwischen Polen und Deutschen gibt. Die kann man bereits nach einem kurzen Urlaubsaufenthalt bemerken und als Auswanderer bekommt man einen großen Einblick und lernt auf diese Art und Weise viele neue Fakten über das Zielland (in meinem Fall Deutschland) kennen und man wird aufmerksamer im Herkunftsland. Es bestehen keine Zweifel darin, dass der Mensch durch die Art der Erziehung geprägt wird. Ich habe subjektiv die Erziehungsstils in Polen und Deutschland unter die Lupe genommen und sie verglichen.

  1. Das Kind als eine souveräne Person

    Deutschland, abends in einem Restaurant. Der Kellner versucht die Bestellung von einer typisch deutschen Familie mit 2 kleinen Kindern aufzunehmen. Es dauert eine halbe Ewigkeit, weil die Kinder selbst entscheiden sollen was sie zu trinken und essen wollen und es dann auch selbst bestellen. Niemand hetzt oder tadelt sie und keiner trifft die Entscheidung für sie. Obwohl diese Szene wie aus einer Comedy-Show aussieht, stellt sie wahres Leben dar. Bestellen und essen dauert so lange wie es dauern muss. Das Kind ist zwar nicht wie Erwachsener behandelt, aber wie ein Partner und das von Anfang an.

Polen: erstens „schleppt man das Kind nicht ins Restaurants mit“, also es bleibt zu Hause und eigentlich geht man gar nicht aus, weil die berufstätige Mutter nach 8 Stunden Arbeit, 2 Stunden einkaufen und 1 Stunde aufräumen noch ein leckeres Abendessen zaubern kann. Ausgehen um zu essen ist eine westliche Erfindung, eine Modeerscheinung. Und es macht generell keinen Sinn eine Menge Geld für etwas auszugeben, was die polnische Mutter um sonst macht. Das Resultat ist, dass die polnischen Kinder nicht lernen, wie man sich in einem Restaurant zu verhalten hat (Trockenüben bringt nichts) und es werden alle Entscheidungen für die Kinder getroffen und sie müssen essen was aufgetischt wird.

Ich will damit nicht sagen, dass ich gegen Hausmannskost bin – ganz im Gegenteil! Ich bin aber auch der Meinung, dass man ein Kind daran gewöhnen soll, für sich selbst zu entscheiden. Es ist doch Ziel jeder Eltern ihr Kind zu einem selbstständigen jungen Erwachsenen zu erziehen. Wenn wir dem Kind erst mit 18 Jahren erlauben, souveräne Entscheidungen zu treffen, kann es zu spät sein. Natürlich gibt es Situationen, wo z.B. aus Sicherheitsgründen für das Kind entschieden werden muss. Jedoch ein Kind, das nie über sich selbst entscheiden durfte, wird nie eine Selbstsicherheit entwickeln und wird ständig an sich selbst und seine Fähigkeiten zweifeln. Wenn wir uns als Eltern daran gewöhnen, wird so ein Verhaltensmuster schwer zu ändern sein.

2. Ungefragte Ratschläge: nein, danke!

Deutschland: es hat mir noch nie eine „freundliche“ Person auf einem Spielplatz oder an einem anderen öffentlichen Ort ungefragt einen Ratschlag gegeben oder seine Meinung über die Erziehung meines Kindes geäußert. Nicht ein Mal!

Polen: sehr warmer Sommertag, botanischer Garten, nette Atmosphäre. Mein Kind im Alter von 2,5 Jahren jagt mit einem 6-jährigen Mädchen Schmetterlinge herum während sich das die Eltern ansehen und Fotos machen. Plötzlich sagt die Mutter des Mädchens – ohne mich begrüßt zu haben – in einem freundlich-befehlendem Ton: „nehmen Sie ihm diese Windel ab, meine Sophia ist schon mit 15 Monaten aufs Töpfchen gegangen, wirklich! Es ist jetzt so warm, lassen sie ihn ohne Höschen laufen, so wird er es schnell lernen!“ Liebe Mutti von Sophie, Nicole oder einer anderen Julia – bitte spare dir deine elterlichen Ratschläge für deine eigenen Kinder auf. Falls ich deine Meinung hören möchte, werde ich danach fragen :).

Dieser Unterschied kommt meiner Meinung nach auf größere Toleranz und Respekt für die persönliche Freiheit eines Menschen in Deutschland zurück. Ich mag eine subjektive Meinung dazu haben wann man einem Kind das erste Mal Schnitzel zu essen geben, abstillen oder das erste Mal alleine draußen spielen lassen soll. Ich respektiere jedoch Entscheidungen anderer Eltern, die mit meinen nicht übereinstimmen und dasselbe erwarte ich von ihnen auch. Solange die Sicherheit nicht gefährdet ist, verurteile ich nicht und besonders nicht auf die Art, die es Sophies Mutter gemacht hat.

3. Nörgeln

Polen: „Geh da doch nicht hin!“, „beruhige dich und iss normal!“, „lass das!“, „meckere nicht!“… die Möglichkeiten sind hier endlos. Eine erschöpfte Oma oder genervte Mutter hat auf einem Spielplatz viele Asse im Ärmel: sie nörgelt, befiehlt, verbietet und kommentiert. Frust und Entmutigung hängen in der Luft. Eine kränkliche Oma bietet nicht immer die perfekte Kinderbetreuung. Nicht jeder hat genug Geduld und ist körperlich fit, also sollte man es vorher überlegen (am besten bevor man sich für Kinder entscheidet) wem man die Kinder anvertraut. Den eigenen Frust an den Kindern auszulassen, beschneidet ihnen die Flügel und bremst ihre persönliche Entwicklung. Wir wollen alle, dass unsere Kinder eine glückliche Kindheit erleben und nörgeln tötet jede Freude. Ich will damit nicht sagen, dass ich selbst immer ausgeschlafen, gut gelaunt und ruhig bin (hahaha!), aber ich finde, dass bewusste Eltern die Quelle ihrer Frustration erforschen sollen und etwas dagegen unternehmen sollen. Eine andere Lösung finden um den Stress abzubauen anstatt die Kinder damit zu belasten. Ich bin auch keine Verfechterin der antiautoritären Erziehung. Ich bin der Meinung, dass ein Gespräch – selbst mit den Jüngsten – mehr bringt als tadeln.

Deutschland: in dem Fall kann man nicht verallgemeinern, weil ich viele unterschiedliche Eltern-Kind Interaktionen kenne. Ich habe jedoch den Eindruck, dass deutsche Eltern lockerer sind und ihren Kindern mehr Freiheit geben, so dass sie sie selbst sein können. Sie greifen nur dann ein wenn die Sicherheit gefährdet ist, oder sie selbst beim Spielen mitmachen.

  1. Kinder sind wichtig

    In beiden Ländern hatte ich mit 2 unterschiedlichen Auffassungen von Erziehungsstils zu tun: übereifrige, übertrieben bewusste Elternschaft, in der das Kind immer im Zentrum befindet und wo sich alles um es dreht. Und das gegenüberliegende Lager, wo die Kinder da sind, weil sie geboren sind und die Eltern machen sich nicht all zu viele Gedanken über die Erziehung. Sie erziehen so, wie sie selbst erzogen wurden ohne großes Engagement. Bei der ersten Fraktion hat jedes kleinste Quengeln Sprints in Richtung des Kindes zu Folge, dafür bei der zweiten hört man „heute baden wir das Kind nicht, weil das Spiel im Fernsehen läuft!“ Die beiden Auffassungen findet man bestimmt in jedem Land. Man sollte allerdings eine goldene Mitte zwischen den beiden Fraktionen finden.

Wie ich bereits im ersten Punkt erwähnt habe – die deutschen Kinder werden auf Augenhöhe mit den Erwachsenen behandelt. Trotz des Altersunterschiedes duzt man sich unter Bekannten immer. Die Kinder haben das Recht sich an Gesprächen mit Erwachsenen zu beteiligen. Sie hören nicht den bekannten Spruch: „weil ich es sage!“ Ich habe den Eindruck dass die meisten Familien ihren Platz in der goldenen Mitte gefunden haben. Die Kinder passen sich dem Familienleben an, weil die Erwachsenen sich selbst nicht komplett aufgeben, nur weil sie Eltern geworden sind. Die Kinder werden täglich bestätigt, dass sie das Recht auf eigene Meinung haben und die wird berücksichtigt!

Ich habe vieles von den deutschen Eltern gelernt und möchte vieles so wie sie machen. Nichtsdestotrotz inspirieren mich auch ständig bewusste polnische Eltern. Letztendlich ist es ein Ziel aller Eltern einen selbstständigen jungen Menschen zu erziehen, der sich seines Wertes bewusst ist und dies gilt über alle Grenzen hinaus.

Bis bald!

 

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